SPECULATIVE HEALTH

Leitung Prof. PELIN CELIK

PROJEKTBESCHREIBUNG:

Szenario:

Wir befinden uns derzeit in einer weltweiten Krise aufgrund von Covid-19 und sind gezwungen unser Leben im Remote-Zustand zu bewältigen. Gesundheit wird plötzlich zum höchsten Gut unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Was bisher eher vernachlässigt wurde, gewinnt an Bedeutung. Abgeschieden und abgeschnitten von unserer Alltagsroutine, müssen wir improvisieren und experimentieren.

Wie lange wird der Zustand andauern und was passiert nach Covid-19? Welche Erfahrungen und Erlebnisse gab es bisher und wie stellen Sie sich Gesundheitsartefakte der Zukunft vor, wenn erneute Krisen – welcher Art auch immer – unserer Menschheit bevorstehen?

Aufgabe:

Entwickeln Sie spekulative Szenarien und narrative Produkte / Objekte aus der Zukunft.

 

B8

Cosima Pauli, Gabriel Schroer

Das Szenario

Die Welt hat sich verändert, das Währungssystem wie wir es kennen existiert nicht mehr. Nächstenliebe und Eifer sind die Motivation der Gesellschaft. Wirtschaft und Technologie ent- wickeln sich rasant. Die Medizin macht täglich Fortschritte. Auch sozialgesellschaftlich hat sich die Menschheit gewandelt. Stigmata wurden aufgelöst, Sex, Rausch und körperliche Veränderungen sind keine Tabuthemen mehr. Geschlechter sind irrelevant geworden. Doch nach dem Höhenflug kam der tiefe Fall. Nach den Jahren der Extase breitet sich Langeweile aus, der Gesellschaft geht es zu gut. Ablenkungen und Her- ausforderungen verschwinden. Die Auseindersetzung mit sich selbst drängt sich an die Oberfläche und die Relevanz der eigenen Person im System wird hinterfragt. Mit Exzessen wird versucht, all dies zu verdrängen. Infolge dieser Entwicklungen erfindet die Medizin Möglichkeiten, negative Erinnerungen zu Entfernen um die Gesellschaft am Laufen zu halten – die Frage nach der Existenz einer Utopie bleibt.

Die Designpaten

„Ich habe keine Angst vor der Zukunft, ich habe nur ein wenig Angst vor der Gegenwart“ – Tyron, 28, ist ein junger Mann der sich selbst als Suchender definiert. Er lebt zwischen den Welten. Kostet Rausch, Exzess und Expressivität aus und findet sich doch immer wieder alleine, zweifelnd in seinem Kopf wieder. Er weiß nicht wohin es gehen soll, er lebte jahrelang in der Belanglosigkeit doch nun ödet ihn diese an. Die Auseinander- setzung mit seinem Ich fällt ihm schwer und doch ist sie viel zu präsent. Alte Themen wie der Verkauf der Erinnerung an seine Mutter kommen zum Vorschein und werden nun seinen Weg prägen – kann man verloren gehen in der Utopie

Cos ist eine gestandene Frau. Ihren Abschluss in Psychlogie machte sie früh und problemlos. Damals war sie Teil dieser ex- zessiven Gesellschaft. Feiern, Sex und versuchen aufzufallen. Doch die Jahre zerrten an ihr und veränderten sie. Nun ist nicht mehr die Langeweile, sondern das System ihr größter Feind. Den Rausch hat sie hinter sich gelassen. Sie möchte aufklären, etwas verändern, die Menschen wach rütteln. Die Verrohung und der Verlust der Emotionalität machen ihr Angst. Den „Lifestyle“ ihrer Mitmenschen verachtet sie, doch sie ist hilflos. Nur ein kleiner Teil im großen System – ist eine Utopie immer eine Utopie?

Eine dystopische Utopie

Utopie oder doch Dystopie – Flucht in die Belanglosigkeit, an- stelle der Auseinandersetzung mit sich selbst. Fehlende Emotionalität. Verdrängung negativer Erfahrungen und den Ausweg im Leben anderer suchen. All dies sind Probleme der Gesell- schaft unseres Szenarios. Doch obwohl dieses fiktiv ist und auch unsere Designpaten nicht real sind, sind ihre Probleme alltäglich. Das Entkommen in virtuelle Welten findet heutzutage schon statt. Gefühle des Verlorenseins, der Hilflosigkeit oder auch Angst sind keinem fremd, doch thematisiert werden sie kaum. Deshalb möchten wir Ihnen mit unserer Installation einen kurzen Moment des Nachdenkens und Innehaltens ver- schaffen. Was macht uns Menschen zu Menschen? Wie können wir die Zukunft positiv gestalten – ist die Utopie wirklich das Ziel?

Neoplasie

Maya eckhardt, julia rhein, ony yan

Szenario

Umweltkatastrophen und der nachlässige Umgang mit Ressourcen haben den Planeten gezeichnet und zu einem permanenten Krisenmodus geführt, welches zum Aussterben von Flora und Fauna geführt hat. In diesem Szenario bilden trotz Ressourcenknappheit künstliche Intelligenz und hochentwickelte Technologien den gesellschaftlichen Rahmen und haben den Menschen als Arbeits- kraft verdrängt. Unter diesen Vorausset- zungen muss sich dieser in seiner Rolle neu definieren. Die Rückbesinnung zu natürlichen Ressourcen und zum Men- schen selbst wird dabei immens wichtig. Es stellt sich die Leitfrage: Wie kann der Mensch für die Gesellschaft von Nutzen sein? Ähnlich wie bei der Massentierhaltung und der Monokultur wird der Gedanke entwickelt, den Menschen permanent unter passiver Produktivität zu stellen und seinen Körper als Nährquelle anzusehen. Dabei wird auf die Neoplasie zurückgegriffen.

Neoplasie

Die Neoplasie beschreibt einen Vorgang an unkontrolliertem Zellwachstum. Eine Unterform der Neoplasie sind Keloide, die sich dadurch auszeichnen, dass Nar- bengewebe unkontrolliert wächst und ohne operativen Einsatz nicht entfernt werden können. Diese Gewebswucherungen treten meist nach Verletzungen auf oder in seltenen Fällen auch spontan. Keloide sehen wulstförmig aus und ha- ben eine zartrosa bis tiefrote Farbe. Die Konsistenz ist hart-elastisch bis hart. Normalerweise bestehen, bis auf die ästhetische Beeinträchtigungen, keine schwerwiegenden Beschwerden. Juck- reiz, Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit können jedoch stel- lenbedingt auftreten. Der Begriff Keloid erfährt in diesem Projekt ein Rebranding und wird im Folgenden als Neoplast bezeichnet.

Device

Das Device vereint die Funktionen „Säen, Pflegen und Ernten“ und wird dadurch dauerhaft fest am Körper getragen. Dabei verankern sich die spitzen Spikes tief in der Haut und erzeugen damit den Start für das Wachstum der Neoplasten (Säen). Durch das Push to Plow Prinzip werden die Spikes dann aufgrund der Wechselwirkung auseinander gedrückt, wodurch sie eine Wunde erzeugen, die sich im- mer weiter auseinander dehnt (Pflegen). Aufgrund der dauerhaften Spannung entwickeln sich durch Narbenbildung Neoplasten, die sich immer weiter fort- bilden. Wenn die gewünschte Wachstumsgröße erreicht ist, wir das Device an den gegenübersitzenden Ecken zusammengedrückt, woraufhin die Schneide- kanten an der Innenseite den Neoplasten abschneiden (Ernten).

Botschaft

Das Projekt „Neoplasie“ hält der heuti- gen Gesellschaft einen Spiegel vor:
Was der Mensch der Natur antut, fügt er in dem Szenario sich selbst zu.Durch den Bezug zum eigenen Körper werden Themen wie Ausbeutung und Effizienz- steigerung in einen neuen Bewusst- seinskontext gesetzt und der Betrachter beginnt, über sein eigenes Handeln zu reflektieren. Dennoch handelt es sich hierbei um keine reine Dystopie – das Szenario zeigt auch alternative Lebens- formen auf, bei denen der Konsumge- danke und Produktivitätsdruck von einer neuen Genusskultur abgelöst werden

Linea

Leonard Brede

Was?

Ein Wearable mit Schmuckästhetik, welche den Nutzer krank macht. Diese Krankheit kann dann erforscht werden und dient als Geschäftsmodell, mit der Testpersonen Geld verdienen können.

Warum?

Wir befinden uns in einem spekulativen Szenario, in dem sich die Wahrnehmung der Gesellschaft grundlegend ge- ändert hat. Durch den stetigen technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte floriert die Wissenschaft. Die Gesundheit der Menschen ist durchgehend auf dem höchsten Stand und die Lebenserwartung steigt konstant an. Damit dies gewährleiste wird, sind Testpersonen notwendig, an denen an neuartige Krankheiten und Mutationen geforscht wer- den kann. Eine Bewusstseinsveränderung der Menschen entsteht: Kranke Menschen werden nicht mehr bemitlei- det, es wird als mutig, selbstlos und patriotisch angesehen. Zudem entsteht ein gewisser Reiz an dem unkonventionel- len Lebensstil der Testpersonen, da ein gesundes Leben als vorhersehbar und langweilig angesehen werden kann. Es kommt zu einem Verkauf von Krankheit und ein neues Ge- schäftsmodell entsteht: „Sell your Depression!“

Wie?

Das Wearable „LINEA“ transportiert Krankheiten und ermöglicht so die Teilnah- me an der Forschung an Testpersonen. Die Krankheit wird in unterschiedlichen Stufen übermittelt, je mehr Ebenen das Wearable besitzt, desto intensiver das Krankheitsbild. Hierdurch ist direkt ersichtlich, welche Krankheitsintensität der Nutzer in Kauf nimmt, um die Gesundheit des Systems zu gewährleisten. „LINEA“ präsentiert sich als Statussymbol in einer Gesellschaft, in der sich die Werte der Menschen komplett neu definiert haben.

Sweet Dreams

Hamad arabi

2070 is a time of a physically very healthy society, and mental health has become very important and we seek products that make us content. Sweet Dreams is a futuristic solution to the lack of psychological care for all people regardless of their Work condition, income, location. Based on the topic of speculative health, narrative health objects, I designed a concept of an alternative virtual therapy service simulated through a high-tech VR pillow.

My focus lies on an Immigrant as a User (Kael), which later on expose the dystopia within a highly developed Utopian society, the story of Kael as an Immigrant sheds light on the discrimination against future refugees hoping to raise awareness of the current racism pandemic.

How: Sweet Dreams VR Pillow detects its user and hacks the usual night dream, on Demand, and reconstructs it to enter a well programmed and designed virtual world to consult with a professional AI therapist who knows us the best. Using the same amount of energy from the brain as a normal dream.The Pillow connects with your implanted ID to exchange medical data and ensure ongoing treatment and prevention.

Where: Premium Citizens have unlimited options of custom designed virtual rooms, Citizens have limited number, Immigrants can only use one room until they pass the first integration test.