Nachricht aus der Bezalel Academy of Arts and Design – Jerusalem

gepostet am 12. Dez, 2013
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Jerusalem – da denkt MENSCH zuerst an viel Religion und viel Geschichte, nicht unbedingt an Design. Dennoch gibt es hier die größte und beste Kunst- und Designhochschule des Nahen Ostens. Die Bezalel Academy of Arts and Design thront auf dem Mount Scopus über der Stadt und beherbergt sieben der acht gestalterischen Bachelor-Studiengänge der Hochschule.

Zu den Kursen: Von den Studio Classes, die vergleichbar sind mit unseren Hauptprojekten. Zur Auswahl stehen Kurse zu den Themen Sitzmöbel, Gastfreundschaft, Urban Mobility, körpernahes Design und ein konzeptioneller Kurs zu Übergewicht (in jeglichem Sinn). Der Designprozess meines Studios Sustainable Design in Public Space wird vom äußerst kompetenten Prof. Elisha Tal sehr anschaulich begleitet. Neben weiteren interessanten Angeboten des Industrial Design Departments (Sketching, Inclusive Design, Spielzeug, Textile Technology, Materialkurse…) sind auch die Interdepartment Classes eine Über- und Belegung wert. Studierende aller Studiengänge treten hier in Dialog zu unterschiedlichen Themenstellungen. In „Artistic Action in Urban Space“ versuche ich mich mit Keramikdesignerinnen und Kommunikationsdesignern am Mapping eines anonymen Wohnkomplexes im Zentrum Jerusalems. Zusätzlich zu den Designfächern wird noch ein sehr empfehlenswerter Hebräisch-Kurs angeboten, in welchem uns die goldige Dina auf lockere und eingängige Art das Einmaleins der Kommunikation in Israel beibringt.

Die Bezalel Academy bietet ein großartiges Studienumfeld. Auslassen kann mensch sich in einer gut ausgestatteten Werkstatt mit Drehbänken, Oberfräsen, CNC-Fräsen, Cutter, Schweißgeräten, Laser, 3D-Drucker…. Die Studierenden sind super hilfsbereit und übersetzen gern im Unterricht, der meist auf Hebräisch ist. Ansonsten verstehen aber auch alle Englisch. Insgesamt ist das Studium sehr intensiv und bietet spannende Aufgaben.

Wer ein Zimmer in Jerusalem sucht, sollte etwas Geduld einplanen und flexibel sein. Die für wärmere Temperaturen vorgesehene Bauweise ist im Winter doch etwas abenteuerlich. Ein Elektroheizkörper, heiße Schokolade und Pullover bringen 4 Kommiliton*innen und mich gerade durch den stärksten Winter seit 60 Jahren. Abgesehen von dieser Woche ist es aber deutlich wärmer hier. Das Studierendenwohnheim bietet zwar eine Zentralheizung, ist aber teuer und liegt abseits. Außerdem geht doch nichts über die Vorzüge von einheimischen Mitbewohner*innen in einer WG mitten in der Stadt.

Augen und Ohren lohnt es sich unbedingt auch außerhalb der Uni offen zu halten. Schon vom Bezalelcampus aus kann mensch über die Grenzen nach Palästina schauen. Auch wenn Jerusalem vollgestopft ist mit Geschichte und Kultur, solltet ihr unbedingt auch herumreisen. Da Israel gerade mal so groß ist wie Hessen, sind Eins-zwei-drei-vier-Tagesausflüge ideal um Land und Leute kennen zu lernen. Totes Meer, Tel Aviv, Haifa, die Berge im Norden, Nazareth, Eilat, Bethlehem, Ramallah, Hebron, Petra… – es gibt viel zu entdecken in der knappen Zeit, die euch neben der Uni bleibt.

Viele Grüße aus dem zugeschneiten Jerusalem sendet Alexander Naumann